Kunst-Stück
der Woche
URSULA Schultze-Bluhm
Der erste künstlerische
Impuls der Künstlerin Ursula Schultze-Bluhm war das Schreiben, mit
dem sie auch 1950 nicht aufhörte, als sie die Malerei für sich
entdeckte. Gaben ihr ihre Bilder doch die Möglichkeit, ihre bildhaft-poetischen,
skurril-unheimlichen Texte auch visuell umzusetzen. Ursulas Kunst resultiert
aus einer kreativen Fantasie und einem individuellen, kindheitserinnernden
Primitivismus. Auch wenn in ihren Werken Bezüge zum Surrealismus,
zum Phantastischen Realismus, zur Art brut und zu den Naiven bestehen,
lässt sie sich nicht eindeutig einer Stilrichtung zuordnen. Ihre Bilder
zeigen eine Welt aus Traum und Utopie, eine eigene Gegenwelt zur Außenwelt,
denn Ursula gehörte zu jenen, die nach den Schrecken des Krieges zu
ihrer eigenen Realität fanden. Auch in dem Bild „Schneebaum, Eiskristalle
und Vogel“ verbindet sich Märchenhaftes mit Groteskem, Tagträume
mit Nachtalben. In labyrinthischen Verschlingungen breiten sich die Äste
des Schneebaums wie eine Pelzschlange – oft verwendet Material der Künstlerin
– über die gesamte Bildfläche aus. Inmitten des Geästs stürzt
ein Vogel kopfüber hinab, während Eisblumen in mannigfaltigen
Variationen ihn begleiten.
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