| Die Geschichte des Museums
Ganz anders hat begonnen,
was sich heute als Spezialmuseum Deutscher Malerei dem Besucher präsentiert:
„Vaterländische Alterthümer“ wollte man zusammentragen, eine
Art Kunstgewerbemuseum errichten, als man 1886 den Verein für Orts-
und Heimatkunde in der Grafschaft Mark mit Sitz zu Witten an der Ruhr gründete
und zugleich das Museum ins Leben rief. Es waren überwiegend die Honoratioren
der Stadt, die zusammentrugen, was man für sammelwert hielt. Und natürlich
(schließlich bestand eine private Trägerschaft) nahm man alles,
was als museal betrachtet werden konnte. Dabei spielte schon bald die ehemalige
Grafschaft Mark, der das Museum seinen Namen verdankt, und deren Territorium
inhaltlich abgedeckt werden sollte, keine Rolle mehr. Südseekunst
und ferne Fauna und Flora gelangten ebenso in das Museum wie die durch
eine Explosion verbogene Straßenbahnschiene oder der Gallenstein
eines Pferdes. Die alten Zugangsbücher sind voll von solchen Kuriositäten.
Aber man war gleichzeitig in erstaunlichem Maße weitsichtig. So fing
man damals schon an, die Tageszeitungen des Stadtgebietes und der angrenzenden
Gemeinden zu sammeln.
Auch Firmenfestschriften
und -prospekte füllten die Bibliothek, die heute zu den großen
Westfalica-Spezialsammlungen zu zählen ist.
Wie andernorts auch waren
in Witten ehrenamtliche Leiter für den Sammlungsaufbau und deren Betreuung
zuständig. Erst weit nach dem Zweiten Weltkrieg gab es für den
Direktor eine hauptamtliche Planstelle.
Die Gründung des Museums
ist auch vor dem Hintergrund des gestärkten nationalen Selbstbewußtseins
nach der Einigung des Deutschen Reiches zu sehen. Die Wirren der Zeit mit
den beiden Weltkriegen haben längst nicht alles Gesammelte bewahren
lassen. Einiges führt heute das Heimatmuseum, anderes wurde zerstört,
beschlagnahmt, eingeschmolzen oder gestohlen. Aber immer noch sind Sammlungen
von überregionaler Bedeutung und auch kunsthistorische Solitäre
vorhanden.
Seit vielen Jahrzehnten
steht der Name „Märkisches Museum“ für „Moderne Deutsche Kunst“.
Dies hat Witten Peter Emil Noelle zu verdanken, der zwar Ende 1937 von
den Nazis als Museumsdirektor verjagt worden war, aber zwischen 1946 und
1953 - erneut im Amt - die Weichen für die Zukunft stellte. Diese
bemerkenswerte Persönlichkeit, hauptberuflich Direktor des Ruhr-Gymnasiums,
brachte die „große Kunst“ in die Stadt. Er war ein unermüdlicher
Anreger, der Expressionistenausstellungen in Klassenzimmern gleichermaßen
initiierte wie im Wartesaal des Hauptbahnhofs. Er verkaufte selbst in der
Nazizeit Kunstwerke „entarteter“ Künstler wie Heckel, Nolde und Jawlensky
oder vermittelte Künstler in Betriebe, wo sie vor Ort arbeiten konnten.
Noelle hat nach dem Krieg nicht nur das völlig zerstörte und
in städtische Trägerschaft übergegangene Märkische
Museum wieder aufgebaut, sondern auch schon in den Ruinen eine regelmäßige
Ausstellungstätigkeit begonnen.
Viele erst später namhafte
Künstler hatten unter ihm und seinem Nachfolger Dr. Wilhelm Nettmann
(Museumsdirektor 1953 bis 1978) ihre erste Museumsausstellung in Witten.
Unter Dr. Nettmann wurde das Museum wie eine Kunsthalle betrieben. Eine
Fülle von Wechselausstellungen und Publikationen tragen seine Handschrift.
Das Museum konnte endlich mit festem Etat und hauptamtlichen Mitarbeitern
geführt werden. Er schließlich veranlaßte die Stadt, eine
benachbarte Villa aus dem Jahre 1839 als Heimatmuseum zu erwerben. So fanden
die kulturgeschichtlichen Sammlungen aus den Anfängen des Museums
eine Heimstatt.
In den Folgejahren wurde
auch das Haupthaus für den Museumsbetrieb zu eng; auch stellten sich
Spätschäden der Kriegszerstörung ein, die 1985 eine Schließung
des 1909 bis 1912 errichteten Hauses erforderlich machten. Unter Dr. Wolfgang
Zemter (seit 1974, Museumsdirektor seit 1978) wurde das Märkische Museum renoviert,
durch einen großen Anbau erweitert und im Oktober 1988 wieder eröffnet.
Das Märkische Museum
führt im Jahr durchschnittlich 6 bis 8 Wechselausstellungen durch
zum aktuellen Kunstgeschehen, dazu kulturgeschichtliche Ausstellungen und
Retrospektiven über das Werk namhafter Künstler sowie Expositionen
aus Eigenbesitz.
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