Kunst-Stück der Woche

Reinhold Koehler
geb. 1919 in Dortmund
gest. 1970 in Siegen

Nach einer, von den Eltern geforderten, kaufmännischen Lehre, die er frühzeitig abbrach, beschließt Reinhold Koehler nach dem Krieg rigoros: Ich werde Maler! Schon in seiner Soldatenzeit entstehen Zeichnungen und Aquarelle. die in der Darstellung noch gegenständlich sind. In seinen frühen Winterbildern kommt eine Technik zum Einsatz, die charakteristisch für seine Arbeiten wird: zur Darstellung des Schnees reißt er die entsprechenden eingefärbten Flächen an bereits gemalten Bäumen ab, so dass die darunter liegende, noch weiße Papierschicht wieder sichtbar wird. Eine stete Weiterentwicklung dieser Technik führt 1958 zur „Décollage“, ein Begriff, den Koehler als Gegenbegriff zur Collage einführte. Auch bei dem Wittener Bild handelt es sich um eine Décollage. Bei diesem Verfahren beginnt Koehler, wie bei einer Collage, verschiedenartige Papierschichten zusammen und übereinander zu kleben. Anschließend färbt er diese Papierschichten mit schwarzer Tusche ein und - entgegen des Prinzips der Collage – reißt sie partiell wieder ab. Was zum Vorschein kommt, ist die darunter liegende Papierschicht. Koehler widerlegt damit die traditionelle Vorstellung, dass das Schöpferische sich unbedingt im aufbauenden Bereich vollzieht. Das Zerreißen der Bildoberfläche bedeutet nicht ihre Zerstörung, sondern die Aufdeckung von neuem, die Erschaffung von Räumlichkeit.


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