Die Sammlungen:
Die Kunstsammlung

Seit vielen Jahrzehnten sind der Name „Märkisches Museum“ und die Bezeichnung „Moderne Deutsche Kunst“ eine Einheit. Rund 4.000 Gemälde, Skulpturen und Grafiken geben Überblick über ein Jahrhundert künstlerischen Schaffens in Deutschland, angefangen beim Expressionismus. Den drei bisherigen Museumsdirektoren - Peter Emil Noelle, Dr. Wilhelm Nettmann und Dr. Wolfgang Zemter - ist es zu danken, daß trotz steten niedrigen Erwerbungsetats derart repräsentative Werke die Sammlung bestimmen, führten doch vorzügliche Kontakte zur Kunstszene und so manche Künstler-Freundschaft zu zahlreichen Schenkungen an das Haus.

So kann die Abteilung Expressionismus mit Werken aller namhafter Protagonisten aufwarten: Pechstein, Kirchner, Nolde und vor allem Heckel sind ebenso vertreten wie Conrad Felixmüller, Macke, Münter und Campendonk. Besonderes Augenmerk verdienen die Arbeiten von Expressionisten, die aus Westfalen stammen oder hier gewirkt haben: Wilhelm Morgner und Christian Rohlfs.

Eines der großen zentralen Werke der Wittener Sammlung ist das Gemälde „Die Flucht“ von Werner Scholz. Es ist zugleich ein großartiges Kunstwerk wie auch ein bewegendes, historisches Dokument. Das Querformat aus dem Jahre 1933 hat - wie durch ein Wunder - die Nazi-Zeit überlebt.

Als Gegenposition zum - vom individuellen Gefühl geprägten - Expressionismus formierte sich in den Zwanziger Jahren die „Neue Sachlichkeit“. Ihre Anhänger verfochten die emotionsfreie Wiedergabe der Wirklichkeit. Auch hier prägen westfälische Künstler die Wittener Sammlung: Eberhard Viegener, Josef Wedewer und die aus Witten selbst stammende Elisabeth Schmitz.

Eine unmittelbare Entwicklungslinie führt von hier zum „Kritischen Realismus“ der Sechziger und Siebziger Jahre. Das reine Abbild wird ersetzt durch zum Teil provokante Symbolik. Das Land NRW half zum Teil dabei, Schlüsselwerke von Rissa, Wolfgang Petrick, Hans Jürgen Diehl, Maina-Miriam Munsky, Lambert Maria Wintersberger, Konrad Klapheck, Bruno Goller und vielen weiteren für Witten zu erwerben.

Bei anderen Künstlern wirkten seit dem Zweiten Weltkrieg surreale Tendenzen auf das Schaffen ein. Zu Ausdruck und Aussage kommt nun die Analyse künstlerischen „Tuns“. Dies führt zu den gegenstandslosen Bildern etwa Heinz Trökes,Karl Otto Götz’ oder Erich Mueller-Kraus’ wie anderseits zu ersten Environments der Siebziger Jahre von Bernhard Schultze sowie seiner Ehefrau URSULA, deren URSULA-Pelz-Haus einen zentralen Platz in den Ausstellungsräumen gefunden hat.

Seit den Zwanziger Jahren bestimmen Auseinandersetzungen mit Abstraktion, Geometrie und Kinetik wesentliche Strömungen auch der deutschen Kunst. Das Märkische Museum kann hierbei alle Aspekte mit beispielhaften Werken belegen, angefangen bei Buchheister über den Op-Art-Vorläufer Adolf Fleischmann, die Farb-Analytiker Josef Albers und Leo Breuer, die Düsseldorfer Gruppe „ZERO“ mit Heinz Mack, Adolf Luther und Otto Piene.

Von seiner Bedeutung her nur noch dem Expressionismus vergleichbar ist der Beitrag Deutschlands zur neuen Kunstgeschichte, nämlich das, was wir heute allgemein als „Deutsches Informel“ bezeichnen. Der Weg, auf dem die einzelnen Künstler zu dieser Form der Malerei gefunden haben, ist höchst unterschiedlich; um so spannender gestaltet sich ein Streifzug durch die Wittener Sammlung, die in dieser Form die größte der Bundesrepublik ist und Werke aller namhaften Informel-Künstler - teilweise in großen Konvoluten - enthält.

Bedingt durch den Umfang der Kunstsammlung, aber auch aus konservatorischen Gründen kann nur ein kleiner Teil der Werke permanent oder temporär ausgestellt werden. Bei berechtigtem Interesse ist eine Besichtigung der Sammlung aber nach Voranmeldung möglich.