Kunst-Stück der Woche

Fred Thieler
geb. 1916 in Königsberg
gest. 1999 in Berlin

Ganz klassisch malte Fred Thieler zunächst an der Staffelei mit Öl oder Tempera. Schnell wanderte sein Malgrund jedoch von der Senkrechten in die Waagerechte des Atelierbodens. Dieses Arbeiten ermöglichte es ihm, die Farbe aus Gießkannen, Eimern oder durchlöcherten Dosen auf seine Leinwand zu gießen. Zufälligkeiten wurden von ihm weitestgehend ausgeschlossen indem er die auf die Leinwand gelegten textilen Stücke mit grundierte. Bei seiner Arbeit ging Thieler einen regelrechten Dialog mit der Farbe ein, den er mit dem ersten gegossenen Farbauftrag eröffnete. Die Farbe antwortete ihm in ihren Fließbewegungen auf sein Tun, bahnte sich ihren Weg über den zerfalteten, collagierten Leinwandstoff, worauf der Künstler wiederum reagieren konnte. Nach dem Trocknen wurde der Malgrund wieder auseinander gezogen, so dass die eigentümliche Struktur des Malprozesses zum Vorschein kam. Die Reduktion seiner Palette auf Rot und Blau gab ihm eine größere Kontrollmöglichkeit bei seinen gegossenen Bildern. Für ihn ist diese, mit eruptiver Kraft dem Betrachter entgegentretende Farbe, Ausdruck eines Daseinserlebnisses. Thieler bemerkte zu seinen Bildern selbst: Wozu Worte über Bilder? Schaut doch hin!


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